Gebirgstrachten Erhaltungsverein "die Wallberger"

Die Chronik des Vereins - das Protokollbuch

1933

Zum neuen Jahr wurden wiederum alle Ehren- sowie außerordentliche Mitglieder mit beiliegender Neujahrskarte bedacht.

Ausschuß-Sitzung
Am 5. Januar 1933 fand sich wiederum der Ausschuß betreffs Abhaltung eines Vereinsballes, sowie Wahl eines Zeugwarts zu einer Sitzung im Vereinslokal ein. Da man voriges Jahr von einem Vereinsball abgehalten hatte, wurde vom Ausschuß einstimmig beschlossen, denselben heuer wieder in altherkömmlicher Weise abzuhalten. An Stelle des bisherigen Zeugwarts Baumgartner wurde Hans Betz einstimmig vom Ausschuß gewählt. Vorstand Schiffmann dankte mit herzlichen Worten Herrn Baumgartner für seine langjährige, treue Tätigkeit im verein und wünschte auch fernerhin dem Ausschuß sowie dem Verein treu zu bleiben. Nach noch kleineren Besprechungen wurde die Sitzung geschlossen.

Ausschuss-Sitzung
Zum letzten Male in diesem Vereinsjahr versammelte sich der Ausschuß betreffs wichtiger Besprechungen. Als ersten Punkt hatte man leider eine traurige Sache zu besprechen. Eine unserer Festjungfrauen Frl. Amalie Kerndl ist gestern nach längerem, schweren Leiden von dieser Welt geschieden. Der Ausschuß beschloß schon in einer seiner früheren Ausschußsitzungen, den Festjungfrauen die bei dem 40 jährigen Jubiläum des Vereins mitwirkten, die auch sonst immer bereit sind und waren bei , wenn es im Verein Arbeit gab, einmal jeder bei ihrer Vermählung oder sonstigen Gelegenheit ein kleines Geschenk zu überreichen. Da das der guten Amalie nicht mehr gegönnt war zu erleben, beschloß der Ausschuß, ihr aus Dankbarkeit einen Kranz mit Schleife aufs Grab zu legen, sowie eine hl. Messe lesen zu lassen.
Möge Sie in Frieden ruhen.
Einer Einladung des Bayrischzeller Trachtenvereins der am 10. und 11. Juni sein 50 jähriges Jubiläum feiert, wird folge geleistet. Weiter beschloß der Ausschuß solche Mitglieder die politisch nachweislich kommunistischer Gesinnung sind, sofort aus dem Verein auszuschließen. Ein Ansuchen der Brünner Wallberger um Aufnahme als Zweigverein vom Stammverein Egern-Rottach wurde vorläufig zurückgelegt und wird erst in der Generalversammlung besprochen werden.
Verstorbene Vereins-Mitglieder 1932-1933: Wieser Jakob - Tegernsee, Vogel Michael - Tegernsee, Hollaus Nikolaus - Glashütte, Erlacher Franu - Wiessee
Ruhet in Frieden
Hagrain den 25. Mai 1933 Stephan Berghammer jun. 1. Schriftführer

44. Verein-Jahr Gesamt-Versammlung
Am Donnerstag den 25. Mai 1933 (Christi Himmelfahrt) hielten die Wallberger im Vereinslokal ihre Generalversammlung ab. Da zugleich auch die Feier eines deutschen Helden (Schlagetterfeier) war, war der Besuch nicht so wie man ihn erwünscht hatte. Nachdem die Kapelle Guggn Sepp einige Musikstücke gespielt hatte, eröffnete Vorstand Schiffmann die Versammlung, und begrüßte die Erschienenen, insbesonders Ehrenvorstand Karl Reinhard, Verkehrsvereinsvorstand Brücklmeier und der Vorstand des Altertumsgauvereins Stadler (Saliterer).
Vor Eingang der Tagesordnung wurden die im vergangenen Vereinsjahre verstorbenen Mitglieder in pietätvoller Weise geehrt. Es erfolgte der Jahres- und Kassabericht, letzterer ersehen ließ, daß unsere Vereinskasse einen Überschuß von über 600,- Mark aufweist. Dem Kassier wurde Entlastung erteilt. Vorstand Schiffmann brachte vor, daß das während des abgelaufenen Vereinsjahres vom Ausschuß an Stelle des verdienstvollen Zeugwarts Ludwig Baumgartner, Hans Betz berufen wurde, was die Versammlung genehmigte. Ehrenvorstand Reinhard dankte dem Vorstand und Ausschuß für die ersprießliche, vorbildliche Arbeit im abgelaufenen Vereinsjahr und ersuchte den Tegernseer Huatara Schätz, wieder einmal probeweise den alten Wallbergerhut anzufertigen. Schätz versprach dies. Der Hut wird dann nach Fertigstellung in einem Schaufenster der Firma Reinhard in Egern ausgestellt werden. Die Frage, ob sich der Verein beim 50 jährigen Gründungsjubiläum des ältesten Trachtenvereins Bayrischzell beteiligt, wurde bejaht.
Die Wallberger in Brünn hatten schriftlich den Antrag gestellt, als Zweigverein in den hiesigen Stammverein aufgenommen zu werden. Der Antrag wurde angenommen, besonders in Hinsicht darauf, daß die Deutschen, die in der Tschechoslowakei schwer um ihr Deutschtum zu kämpfen haben, unterstützt werden müssen.
In seinem Schlußwort dankte Vorstand Schiffmann dem Ausschuß für das einmütige Zusammenarbeiten und den Mitarbeitern der Ausstellung "Alt-Tegernsee" und sonstigen Förderern des Vereins für ihre Tätigkeit. Schiffmann betonte dann, daß die Wallberger gern und freudig mitarbeiten am Neuaufbau unseres Vaterlandes. Besonders unterstrich er die Worte die erster Bürgermeister Justizrat Bauer von Tegernsee, die er anläßlich der Hauptversammlung des Altertumsvereins gesprochen hatte. Die neue Regierung wird uns mehr unterstützen als die alte. Mit dem Wahlspruch "Treu dem guten alten Brauch" schloß der Vorstand die schön verlaufene Versammlung.

Sonntag den 11. Juni 1933 beteiligte sich der Verein mit Fahne und Musik beim 50 jährigen Entstehungs-Jubiläum des Geb.-Tracht-Erhaltung-Vereins Bayrischzell. Die Beteiligung war sehr gut. Der Verein erhielt dabei einen ehren- sowie einen Musikpreis. Abends fand im Tegernseer-Hof noch eine kleine Tanzunterhaltung statt, wo es noch sehr lustig zuging.

Monats-Zusammenkunft
Die Juli Monatszusammenkunft fand nachdem man sie vergangenen Sonntag wegen schlechter Witterung nicht abhalten konnte am Sonntag, den 23. Juli im Gasthof Bachmaier Weißach statt. Die Beteiligung derselben war, besonders von den Weiberleuten nicht gut, was man wieder einmal der nassen Witterung zu verdanken hatte. Trotzdem zeigte sich unter den schneidig gespielten Landlern der Kapelle Guggn Sepp bald lebhafteste Stimmung, die sich natürlich zum Schluß noch erhöhte.
Gleichschaltung der beiden Trachtenvereine Wallberger + Hirschbergler
Stephan Berghammer I. Schriftführer

Schriftführer: Berghammer Stefan


1937
 
48. Hauptversammlung
Am Donnerstag den 6. Mai 1937 fand im Gasthof Seerose die 48. Hauptversammlung der Wallberger statt, nach dreijähriger Pause. Die Versammlung war von Mitgliedern allen Alters gut besucht. Vorstand Lenz Kandlinger begrüßte die Anwesenden, besonders Ehrenvorstand Karl Reinhard, den Vertreter vom K.d.F. (Kaft durch Freude) Ring Untergruppenführer Hans Seestaller von Gmund, der auch Vorstand des Gaues ist. Ferner Parteigen. Laur, der den Bürgermeister von Rottach vertrat, und Vertreter von der Ortsdienststelle der K.d.F. Josef Sareiter und Hans Andrä. Dann gedachte man durch Erheben von den Sitzen der verstorbenen Mitglieder und Ehrenmitglieder währen der letzten drei Jahre.
Es sind die Herren: das Gründungsmitglied des Wallberger Verein Jakob Grieblinger, Rottach
die außerordentlichen Mitglieder: Aigner Max Tegernsee, Baur Hans Rottach, Bachmair Max Egern, Bachmair Lorenz Weißach
die ordentlichen Mitglieder: Feyrer Max Reitrain, Frank Georg Weißach, Ascher Ludwig Hammerschmiede, Friedinger Josef Tuften, Behamgruber Erasmus Tuften, Kern Josef Tuften, Rasch Xaver Kreuth
Nach verlesen des Protokolls wurde der Kassenbericht bekannt gegeben, der sehr befriedigend ist.
Hierauf wurde Untergruppenführer Seestaller das Wort erteilt, der als Nachfolger des allzufrüh verstorbenen Gauvorstand Heinrich Stumpf von Schaftlach gewählt wurde. Er führte aus unter anderem zurück auf die Gründung des Vereins und konnte nicht genug den Alten danken für die Gründung des Vereins und Hochhaltung der Tracht. Seestaller sprach über die vordringlichsten Aufgaben des Vereins und berief sich auf die Weisungen des stellvertretenden Gauleiters Nippold hinsichtlich des Zusammenschlusses aller verfügbaren Kräfte. Dann nahm er eingehend Stellung zu den minderwertigen Kaffeehaus und Salonplattln. Mit klaren Worten zeigte Seestaller, was echtes Volks- und Brauchtum, Sitten und Pflege im Trachtenvereinsleben ist und was nichts mit alldem zutun hat. Das öffentliche Auftreten von Trachten zum Zweck der Darbietungen in den öffentlichen Kaffees und Salons, hat mit dem volksverwurzeltem Brauchtum des Vätererbes nichts zutun und vermittelt bei unseren mittel- und norddeutschen Brüdern und Schwestern nur den gebräuchlichen Spottnamen des barischen Seppl immer wieder aufkommen. Vätersitte und der Väterbrauchtum werden dadurch vollkommen untergraben.
Da unser Gebiet besonders als Aufnahmegebiet für die großen K.d.F. Urlaubsfahrten ausersehen ist, ist es Pflicht jeden Trachtlers sich der Tracht würdig zu zeigen und wirklich bodenständiges zu zeigen. Die Pflege der Tracht und Einteilung ist heute schöner als je und untersteht für alle großen Angelegenheiten dem K.d.F. Vereinsring, München. Er appellierte hauptsächlich an alle Kameraden die das Herz am rechten Fleck haben sich in den Dienst der Sache zu stellen, alles moderne an der Tracht meiden, damit man schon von Weitem den alten Trachtler von Fexen wegkennt, die uns nur lächerlich machen. Für die richtigen Trachtler werden voraussichtlich kl. Plaketten heraus gegeben um Irrtümer zu vermeiden. Die sogenannten Theaterplattler gehören einer besonderen Gruppe an. Um bei den Trachtenvereinen auch die Leistungen zu zeigen werden Wettstreite stattfinden. Die Wallberger werden sich daran beteiligen. Die Vorausscheidung für den Kreistag der NSDAP am 6.VI. findet am 23. Mai im Saal des Überfahrt statt.
Seestaller bedauerte, das die Wallberger sich nicht schon der segensreichen Einrichtung des Oberländergaues angeschlossen hat, denn ohne den Gauverband wäre die Tracht heute sicher nicht so auf der Höhe. Besonders wurde der Kampf geführt, wegen Einführung der Kurzhosensteuer bei der bis zu den Höchsten Reichsstellen vorgegangen müßte. Auch würde dafür Sorge getragen, daß die Lustbarkeitsteuer ganz anders geregelt würde, denn es war schon fast so, daß, wenn man eine Ziehharmonika zur Hand nahm, schon Steuer bezahlt werden mußte. Die Vereinsfahne, sowie alles übrige Eigentum bleibt Eigentum des Vereins wie bisher. Seestaller wies auch auf die Kameradschaft im Verein hin, Zusammenhalt, Bauernleben ist freies Leben. Natursache, Kultur der Alten wollen wir erhalten und wer seine Heimat liebt, liebt auch sein Vaterland, sagt der Führer. Pflegt Volkskunst, Lied und Musik, jeder helfe mit und wenn auch noch manches zu schaffen gibt, nur nicht auslassen. Besonders rügte er das laue Tragen der Tracht. Es gab schon Zeiten wo man nicht wußte, ob sich im Flachlande befindet oder im Tegernseer Tal. Er streifte die Gegenden, wo immer die Tracht getragen wird und wie, was besonderen Beifall fand. Er hat auch, wenn man auf Urlaub fährt, sich Sitt und Tracht anderer Gegenden richtig anzuschauen und gutes mitzubringen und zu verwerten.
Es würde zu weit führen die mit soviel Kenntnis und Beifall vorgetragene Rede ganz zu bringen. Als Vertreter des verhinderten Ortsgruppenleiters Siker nahm Polizei Wachm. Laur dann die Neuwahl vor. Als I. Vorstand wurde der bisherige Vorstand Lenz Kandlinger von Brandstatt gewählt, welcher dann die weiteren Vorstandsmitglieder ernannte, die alle die Stelle annahmen.
Die Vereinsleitung stellt sich nun wie folgt zusammen.
I. Vorstand Lenz Kandlinger
II. Vorstand Josef Maier (Derndlsohn) von Rottach
Schriftführer: wie bisher Kaspar Kandlinger Tuften
Kassier: wie bisher Stefan Berghammer Wolfsgrub
Fähnrich: Martin Erlacher in Erlach
Für die Pflege der Musik: Karl Holl, Rottach
für Tracht und Tanz Hans Hacker, Hagrain
Volks- und Brauchtum: Michl Unterberger, Hagrain
K.d.F. Jugendwart, zugleich Verbindungsmann mit K.d.F. Hans Andrä, Hagrain
Der Vertreter des Hoheitsträgers der NSDAP Rottach Laur, dem die Mitarbeit bei der Ernennung zufiel, stellte fest, daß die Ernannten das ihnen zugefallene Amt im Vereinsleben übernommen haben und somit war der schwierigste Teil des Abends in kürzester Zeit überwunden. Laur verwies noch kurz auf die im Lokal aufliegende, von Opfersinn, Kameradschaft, Treuepflicht und Hingabe an eine so stolze Sache sprechende Chronik. Er hat die jüngere, einst Deutschland führende Generation sich zum Väterbrauche, zur Treue zur Heimat als Trachtler und Trachtlerinnen zu bekennen. An die Älteren, besonders an die Mitglieder des Vereins, richtete er die Mahnung, für die Jugend Aug´ und Ohr offen zu haben, um diese mit Rat und Tat ganz in den Dienst am Vaterland zu bringen.
Für den Vortag des Kameraden Seestaller Hans dankte Laur. Der Ortswart der K.d.F. Sareiter Joseph, wies auf rege Zusammenarbeit hin und stellte die Bitte, die Veranstaltung der K.d.F. nach Kräften durch aktive Beteiligung zu unterstützen. Ehrenvorstand Karl Reinhard versicherte seine Mithilfe. Erfreulich war, daß sich die Jugend zur Aufnahme in den Verein meldete. Der Vereinsvorstand dankte allen für die bisherige Mitarbeit. Mit einem dreifachen Sieg-Heil auf Führer und Vaterland wurde die schön verlaufene Versammlung die auch heuer wieder mit fröhlichen Weisen der Kapelle Guggn Sepp umrahmt war, geschlossen.

Vorausscheidung i. Wettbewerb
Am 23. Mai 1937 fand die Vorausscheidung im Wettbewerb für den Kreistag der NSDAP in Tölz, im Saale des Gasthof zur Überfahrt in Egern statt. Die Wallberger beteiligten sich mit 8 Trachtenpaaren und führten zwei Schuhplattler-Tänze, den alten Schnacklwalzer und den Wendelsteiner-Plattler, auf und erhielten duch ihr flottes Auftreten reichen Beifall. Die Geschwister Maier von Unterwallberg, die auch eifrige Mitarbeiter im Wallberger-Verein sind, konnten dabei im Volksliedersingen, sich einen ersten Platz erwerben.

Ausschuss-Sitzung
Samstag den 29. Mai 1937 im Gasthof Seerose. Betreff Beteiligung am 6. Juni b. Kreistag der NSDAP in Tölz. Es wurde beschlossen daran teilzunehmen, außerdem beschlossen eine Monatszusammenkunft mit Tanz bei Zacherl Gasthaus z. Tuftenmühle abzuhalten und der Termin auf den 27. Juni festgelegt.

2. Ausschuss-Sitzung
Am Samstag den 19. Juni 1937 traf sich wiederum der Ausschuß im Vereinslokal zusammen. Erschienen war auch der Ortswart v. d. Kraft d. Freude Josef Sareiter sowie die Ausschußmitglieder. Auf der Tagesordnung standen zunächst die Veranstaltungen während der Sommermonate. Es wurde beschlossen:
1. die Monatsversammlung am 27. Juni in Tuften
2. einen Heimatabend am 27. Juli im Gasthof zur Überfahrt zu veranstalten, zudem auch das Programm aufgestellt wurde. man hat sich ferner entschlossen, fast nur einheimische Kräfte mitwirken zu lassen.
Das Wallbergerfest in Enterrottach wurde vorerst auf den 8. bzw. 15. August festgelegt.

Monats-Zusammenkunft
Bei guter Witterung konnten am 27. Juni in Tuften die Monatszusammenkunft, verbunden mit Hauptplattlerproben abgehalten werden. Die Beteiligung war im allgemeinen gut, nur die Weiberleut in Tracht waren etwas spärlich vertreten, wie es fast immer schon bei den Monatsversammlungen gewesen ist. Besonders erfreulich ist, daß sich die jüngsten Mitglieder, die zahlreich vertreten waren, in Tanz und Schuhplattler schon so gut heran gebildet haben was wohl hauptsächlich der Verdienst des bewährten Tanzwartes und Vorplattler Hacker Hans zuzuschreiben ist. Es wurden Schuhplattler- sowie der Steyrer-Tanz aufgeführt. Die besonders bei den vielen Kurgästen reichen Beifall fanden. Ab und zu gab es auch für diese einen Freitanz, dem wohl eifrig gehuldigt wurde. Trotzdem die Musik hie und da nicht gerade anerkennenswert spielte, was wohl durch Heranziehung mehrerer fremder Musiker herbei geführt wurde, herrschte bald fröhliche Stimmung die sich natürlich später erheblich steigerte. So nahm die 1. Monatszusammenkunft einen zufriedenen Verlauf.

1. Heimatabend
Mittwoch der 27. Juli 1937 im Gasthof zur Überfahrt. Der Einladung des Volkstr. Erh. Vereins "Die Wallberger" hatten sehr viele Einheimische und Kurgäste Folge geleistet, so daß der große schöne Saal das übliche festlich-fröhliche Bild mit sommerlichen und heimatlichen Gepräge bot. Der Verein überraschte seine Gäste durch ein sehr reichhaltiges gut ausgewähltes Programm. Nach einem flotten Eröffnungsmarsch der Rottacher Musikkapelle Guggn Sepp begrüßte Andrä v. d. K. d. F. die vielen Gäste und wünschte ihnen einen recht fröhlichen Abend bei den Wallbergern. Mit einem Gruß an den Führer schloß er seine Worte. Dann rollte das Programm in raschem Wechsel ab und ein Vortrag war schöner wie der andere. Das erfreuliche war, daß hier wirklich echte heimatliche Darbietungen den Abend füllten, die zum großen Teil von Mitgliedern des Wallberger Vereins durchgeführt wurden. Die Geschwister Maier von Unterwallberg sangen alte Heimatlieder und wechselten in Jodler ab mit den Rottacher Buam (Weckerlein Dori und 2 Wieserbauern von Gmund) oder die beiden Rottacher Zahner und Lamm. Zwei Schüler von Anni Kienast trugen Landler vor. Das berühmte und immer stürmisch begrüßte Tegernseer Trio Reiter - Holl - Bartl ließen seine fröhlichen Weisen auf Instrumenten und im Lied erklingen. Kiechl Jakob ein altes Mitglied der Wallberger spielte mit seiner Kratzzither mit Reischl Kube (Zither) zusammen und konnten auch reichen Beifall ernten. Heiligmann Schorsch von Tegernsee, ließ sich mit 2 Gedichten von Stieler hören, die großen Anklang fanden, zumal Heiligmann den Dialekt ausgezeichnet beherrscht. Zwischen den einzelnen Musik- und Gesangsvorträgen tanzten die Wallberger Trachtentänze, Schuhplattler und den Steyrer-Tanz und erhielten starken Beifall von den begeisterten Zuschauern. Unser lieber Kassier Berghammer Steffe leitete mit Geschick die Durchführung des schönen Programms. Ein allgemeiner Tanz bis Mitternacht hielt die Besucher des gelungenen Heimatabends noch im fröhlichen Kreise zusammen.

3. Ausschußsitzung
Samstag den 7. August 1937 im Gasthof Hahn. nachdem am 8. August , dem Tag des Gastes und der Wallbergstraßeneröffnung keine andere Veranstaltung sein soll, wurde der Verein für das Wallberger-Fest der 15. bzw. der 22. August festgelegt.
Ferner wurde beschlossen wieder mit Daxwagen zu fahren und die verschiedenen Zechen dazu einzuladen. Außerdem wurde die Organisation des Festes durchgesprochen und 15 Paar Stelzen für das Fest angeschafft. Der Antrag des Herrn Andrä einen 2. Heimatabend zu veranstalten wurde vom Vorstand und dem Ausschuß gut geheißen und der Termin auf den 18. August festgesetzt.
Bei der Auto-Korsofahrt am Tag des Gastes, sowie bei Wallbergstraßen-Eröffnungsfahrt beteiligten sich 4 Wallbergerinnen in echter Tracht. 

2. Heimatabend
Am Mittwoch den 18. August im Gasthof zur Überfahrt. Der Abend war wieder gut besucht und bestand fast aus dem selben Programm wie der erste. Finanziell bedeuten die Heimatabende wohl wenig Gewinn. In kultureller Hinsicht sind sie wohl fördernd in Musik und Lied und Tracht und Tanz und jeder Besucher des Heimatabends kann versichert sein, nur echtes Volks- und Brauchtum zu sehen und zu hören

4. Ausschuss-Sitzung
Am Donnerstag den 26. August kam der Ausschuß zur Tuftenmühle zusammen. Betreffs: Abrechnung vom Wallberger-Fest. Es konnte festgestellt werden, daß die vielen Ausgaben, die es ja immer gibt, von den Einnahmen beglichen werden konnten.
Am 1. September 1937 veranstaltete der Zuchtverband Miesbach im Gasthaus zur Überfahrt zu Ehren der Festgäste, die sich an der Almwanderung und dergl. beteiligten einen Begrüßungsabend verbunden mit einem Heimatabend, dessen Leitung in den Händen vom Kiem Pauli lag. Die Wallberger waren auch dazu eingeladen und beteiligten sich mit einer Tanzgruppe. Außerdem beteiligten sich die Wallberger an dem Abschiedsabend für die SA Urlauber im Gasthof Lindl. Der Abend verlief sehr interessant und in bester Kameradschaft. Die Wallberger tanzten und plattelten wieder abwechselnd und hatten dankbare Zuschauer.

5. Ausschuss-Sitzung
Am 4. November traf sich wiederum der Ausschuß im Gasthof zur Tuftenmühle. Vorstand Lenz Kandlinger gab u. a. bekannt, daß laut ?vertrag eine jährliche Pauschalsumme von 42 Mark zu zahlen sind. Ein Antrag von einer Gmunder (Finsterwald) Trachtengruppe, die aus irgendwelchen Gründen nicht zu Gmunder Trachtenvereinen gehen wollen und um Aufnahme beim Wallberger-Verein ersuchten, wurde einstimmig abgelehnt. Außerdem wurde beschlossen die Gauversammlung in Miesbach von einigen Ausschußmitgliedern zu besuchen.
Am 16. November beteiligte sich der Verein mit einer Fahnenabordnung bei der Beerdigung des auf so tragischerweise ums Leben gekommenen langjährigen Mitgliedes des Kameraden Sebastian Schmidhuber von Rottach. Möge er in Frieden ruhen.

Schriftführer: Kandlinger Kaspar Tuften


1938

6. Ausschuß-Sitzung
Am Samstag 8. Januar traf sich der Ausschuß wiederum im Gasthof zur Tuftenmühle. Betreffs: Wallbergerball. Es wurde beschlossen heuer wieder einen Vereins-Ball abzuhalten und zwar wieder am Faschingssamstag den 26. Februar im Vereinslokal Seerose (Kefer). Die Mitglieder sollen auch wieder mit Karten geladen werden, welche in einfacher Form zur Ausgabe kommen. Der Eintrittspreis wurde für Mannerleut auf eine Mark und Weiberleut auf 50 Pfennig festgesetzt

7. Ausschuss-Sitzung
Mittwoch den 2.II.38 hielten die Wallberger in Tuften wieder eine Ausschußsitzung. Vorstand Lenz Kandlinger gab ein Schreiben bekannt von der Kreisleitung Miesbach, indem es unter anderem hieß, daß die Musikspieler (Zither und Ziehharmonika) innerhalb des Vereins sowie Sänger zusammen gefaßt werden sollen, um Heimatabende möglichst mit eigenen Kräften zu besetzen. Es konnten verschiedene gemeldet werden, da auch bei uns an den Heimatabenden im vergangenen Sommer fast ausschließlich nur Vereinsmitglieder mitwirken.
Ferner kam noch der Wallberger-Ball zur Besprechung.
Bei der Feier, die anläßlich des Besuches auf der Überfahrt der italienischen Gäste stattfand, beteiligten sich die Wallberger mit einer Tanzgruppe und führten Schuhplattler-Tänze auf die mit großem Beifall aufgenommen wurden.

Vorausscheidung
Am 12. April 1938 beteiligten sich die Wallberger zum 2. Mal bei der Vorausscheidung im Leistungswettbewerb für den Kreistag, die heuer in Holzkirchen stattfand. Es wurde von einer Gruppe (4 Paare) der Steyrer-Tanz zur Ausführung gebracht, der regen Beifall fand. Leider konnten die notwendigen Punkte nicht erreicht werden um bei der Endausscheidung bzw. bei dem Heimatabend des Kreistags mitwirken zu können.
Möchte hier noch neben anführen, daß wenn es so weiter geht nur mehr sehr hart eine Trachtengruppe in der echten Tegernseer Tracht zu stellen ist. Besonders die männliche Jugend paßt sich heute mehr denn je den fremden Einflüssen an. So werden z. B. mit Vorliebe Steyrer-Joppen getragen mit Achselklappen, womöglich noch mit einem dicken Stoffwulst am oberen Ärmelende, die Lederhose nur leicht abgesteppt und an den Hosenenden mit Knöpfen versehen, wird der echten Trachtenhose vorgezogen und der Trachtenhut mit breiter Krempe wird nur mehr wenig angeschafft. Da erkennt man dann so recht, wie notwendig die Trachtenvereine, besonders in den Fremdenorten sind, um doch noch einigermaßen unsere schöne Heimattracht zu erhalten.

8. Ausschuß-Sitzung
Mittwoch den 27. April 1938 im Gasthof zur Tuftenmühle. Es wurde beschlossen, an den 1. Mai-Feiern sich zahlreich zu beteiligen sowie am 3. Mai an dem Abschiedsabend der SA Urlauber, die für die Schuhplattler-Tänze sehr großes Interesse hatten und eine wahre Freude daran hatten. Ferner wurde beschlossen an dem Aufmarsch beim Kreistag in Wiessee teilzunehmen. Dann kam noch die Hauptversammlung dieses Jahres zur Aussprache und es wurde der Termin auf den 29. Mai festgelegt.
Verstorbene Mitglieder 1937/38: Schmidhuber Sebastian
Tuften, den 22. Mai 1938 Der Schriftführer Kaspar Kandlinger

Schriftführer: Kandlinger Kaspar Tuften


1939

Nachfolgender Brief ist nicht im Protokollbuch

Volkstrachten-Gemeinschaft "Die Wallberger" Rottach-Egern Gegründet 1889
Postscheckkonto München Nr. 18673 Rottach-Egern, März 1939

An alle Trachtenkameraden!
"Die Wallberger" haben wie alle anderen Vereine im Laufe der letzten Jahre verschiedene Wandlungen durchmachen müssen. Es ist daher kein Wunder, wenn ein großer Teil der Trachtenkameraden mit dem Beiträgebezahlen in Rückstand gekommen ist. Schuld daran dürfte nebenbei auch die Überlastung mit anderen Organisationen und der viele Dienst sein. Da aber kein Verein ohne Ordnung in der Führung und Kassa seinen gestellten Aufgaben gerecht werden kann, richte ich an alle Kameraden die dringende Bitte, die mitfolgende Zahlkarte auszufüllen und umgehend zur Einzahlung am Postamt vorzulegen. Ich bitte ferner, auf dem Abschnitt neben Eurer genauen Adresse auch anzugeben, wie lange ihr dem Verein "Die Wallberger" angehört, und allenfallsige sonstige Wünsche. Dies ist notwendig, um eine einwandfreie Kartothek aufstellen zu können, weil der Eintritt in die "NSG Kraft durch Freude" eine derartige Statistik verlangt.
Früher wurde der Beitrag durch den Kassier erhoben, der 20 Rpf. rechnete; heute habt Ihr das einfacher: eine Zahlkarte kostet bis zum Betrag von 10 RM nur 10 Rpf.
Der Verein braucht dringend die Beiträge, um den gestellten Aufgaben zum 50 jährigen Stiftungsfeste gerecht werden zu können, denn dieses soll und muß würdig der alten "Wallberger"-Tradition gefeiert werden.
Also, lieber Trachtenkamerad, lege die Zahlkarte nicht auf die Seite, sondern zahle den kleinen Betrag gleich ein. "Frisch gewagt ist halb gewonnen."
Es grüßt Euch alle! Heil Hitler!
Pg. Johann Andrä Trachtenwart

Anlage: Zahlkarte und Postkarte für besondere Wünsche und Anregungen
Vormerkungen für 1939: 18. Mai Jahresversammlung bei Kefer
17. und 18. Juni 50 jähriges Stiftungsfest
30. Juli Sommerfest in Enterrottach

Text untenstehender Karte - nicht im Protokollbuch
Am 29. und 30. Juli 1939 kann die Trachtengemeinschaft "Die Wallberger" ihr 50 jähriges Bestehen feiern. Bei dieser Gelegenheit werden alle Mitglieder, die bereits 25, 40 und 50 Jahre den Wallbergern treu geblieben sind, besonders geehrt. Da auch Sie zu diesen gehören, ersuchen wir Sie, am 29.7.39 abends 8 Uhr im Überfahrtssaal zu erscheinen. Wir hoffen, daß Sie unserer Einladung Folge leisten und dazu beitragen, den Festabend zu verschönern.
Die Vorstandschaft